Das KjGay-Quiz

Auf der letzten Bundeskonferenz haben wir ein gar nicht mal sooo leichtes Quiz mit den Delegierten gespielt, aus welchem sich viele schöne und intensive Gespräche entwickelt haben. Hier sind die Fragen und Antworten zum Selber-Nachspielen dokumentiert. Fordert eure Leitungsrunde, eure Gruppen, eure Gremien doch mal zu einem kurzen Spiel auf, wenn ihr über das Thema Homo-, Bi-, Transsexualität reden wollt…

1) Wie nennt man den Prozess, sich seiner eigenen gleichgeschlechtlichen, oder seine von geschlechtlichen Identität
oder Geschlechterrolle abweichenden Empfindungen bewusst zu werden?
a) Find Identity
b) Coming out
c) Search of
d) Run down

2) In welchem Jahr war der erste Film über Homosexuelle im deutschen Fernsehen zu sehen?
a) 1968
b) 1972
c) 1981
d) 1995

3) Der Christopher Street Day ist
a) eine Demonstration für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben
b) ein Straßenfest um den Christopherus-Tag, dem Patron aller Demonstranten
c) ein Straßenfest benannt nach dem weltweit häufigstem Straßennamen
d) Der jährliche Faschingshöhepunkt in New York

4) Die Selbstmordrate unter homosexuell fühlenden Jugendlichen ist im Vergleich zu heterosexuell empfindenden Jugendlichen
a) Niedriger
b) Höher
c) Doppelt so hoch
d) Vier mal so hoch

5) Über was gibt der sogenannte Kinsey-Report Auskunft?
a) Diskriminierung von Homosexuellen weltweit
b) Sexuelle Orientierung der AmerikanerInnen
c) HIV-Infektionen männlicher Prostituierter
d) Weltweite Bilanzdarstellung der Pornoindustrie

6) In welchem Land wurde der erste Film über Homosexualität produziert?
a) Deutschland
b) USA
c) Frankreich
d) Großbritannien

7) In welcher Stadt fand die erste Demonstration von Schwulen in der BRD statt?
a) Köln
b) Berlin
c) Münster
d) Hamburg

8) Mit welchem Promi produzierte das Pop-Duo Rosenstolz einen Song für die Homo-Ehe?
a) Hella von Sinnen
b) Thomas Hermanns
c) Klaus Wowereit
d) Dirk Bach

9) In welchem Jahr wurde in der BRD der § 175 Strafgesetzbuch gestrichen, der sexuelle Handlungen zwischen Personen des männlichen Geschlechts verbot und nach dem 2. Weltkrieg wörtlich aus der Zeit des Nationalsozialismus übernommen wurde?
a) 1949
b) 1968
c) 1972
d) 1994

10) In welcher Fernsehsoap sorgte der erste Kuss zwischen zwei Männern für Skandale?
a) Gute Zeiten, schlechte Zeiten
b) Lindenstraße
c) Unter uns
d) Verbotene Liebe

11) An welches Ereignis knüpfen die jährlichen Paraden zum Christopher Street Day an?
a) An die homosexuellen Gegenveranstaltungen zu den großen Jubelparaden der USA Mitte der 50er Jahre
b) An einen Aufstand von Schwulen 1969 in New York bei dem sich diese der Polizeiwillkür widersetzten
c) An die erste Parade Homosexueller durch die Christopher Straße in Düsseldorf, mit der die Emanzipation 1968 in Deutschland eingeläutet wurde
d) An das „schwule Woodstock“ das 1972 in Saint Christopher-Nevis-Anguilla stattfand, einem Überseeterritorium des Vereinigten Königreichs in der Karibik.

12) In wievielen Ländern wird Homosexualität bestraft?
a) 18
b) 23
c) 72
d) 88

13) In wie vielen Ländern kann Homosexuellen gar die Todesstrafe drohen?
a) 1
b) 4
c) 5
d) 7

14) Wann strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität von der Liste der Krankheiten?
a) 1953
b) 1969
c) 1984
d) 1992

15) Wie hoch vermutet man den Anteil homosexuell veranlagter Menschen an der Gesamtbevölkerung?
a) Ca. 2 %
b) Ca. 10 %
c) Ca. 20 %
d) Ca. 32 %

16) Wie viele Männer wurden aufgrund ihrer Homosexualität im 3. Reich verurteilt?
a) 5.000
b) 10.000
c) 25.000
d) 50.000

17) Was sagt der Katechismus der Katholischen Kirche zur Homosexualität?
a) „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erzieht, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft –, durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.“
b) „Homosexuelle Menschen können auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Verantwortung und Liebe zueinander finden und ein erfülltes Leben vor Gott und in der Gemeinde führen. Ihnen ist mit Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen.“
c) Homosexualität wird im Katechismus nicht erwähnt.
d) „Homosexuelle sind ein Teil des natürlichen Gesetzes, obwohl die Weitergabe des Lebens beim Geschlechtsakt ausgeschlossen bleibt. Homosexuelle Beziehungen entspringen einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit.“

18) Dürfen Schwule und Lesben in Deutschland heiraten?
a) Ja, natürlich!
b) Ja, allerdings nur auf dem Standesamt und nicht kirchlich.
c) Nein, sie können lediglich eine eingetragene Partnerschaft eingehen
d) Ja, doch gibt es immer noch Abstriche gegenüber der Hetero-Ehe, z. B. beim Adoptionsrecht.

Und hier die Antworten:

1) Coming-out (von englisch „coming out of the closet“, wörtlich: „aus dem Kleiderschrank herauskommen“) bezeichnet zumeist den individuellen Prozess, sich seiner eigenen gleichgeschlechtlichen, oder seine von geschlechtlichen Identität oder Geschlechterrolle abweichenden Empfindungen bewusst zu werden, dies gegebenenfalls dem näheren sozialen Umfeld mitzuteilen

2) Der erste Film über Schwule im deutschen Fernsehen hieß „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“. Der WDR strahlte den Film 1972 erstmals aus sowie im Folgejahr auch die ARD. Der Bayerische Rundfunk klinkte sich für die Dauer des Films aus dem Gemeinschaftsprogramm der ARD aus und sendete ein Ersatzprogramm.

3) Der Christopher Street Day ist eine Straßenparade, mit der alljährlich in vielen Städten für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen und Transsexuellen demonstriert werden soll. Sie erinnert daran, dass trotz vielen Erfolgen in den letzten Jahren immer noch Diskriminierung auf Grund sexueller Orientierung besteht.

4) Jugendliche, die sich selbst als homosexuell sehen fühlen sind dem dadurch entstehenden oder gefühlten Druck nicht gewachsen. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Selbstmordrate bei homosexuellen Jugendlichen vier Mal höher liegt als bei gleichaltrigen Heterosexuellen.

5) Der sogenannte Kinsey-Report zeigt das sexuelle Verhalten von AmerikanerInnen. Alfred Kinsey hatte ihn in den 60er-Jahren veröffentlicht und revolutionierte damit die Sexualwissenschaft. So fand er u. a. heraus: 92 % der Männer befriedigen sich selbst und 37 % der Männer haben gleichgeschlechtliche Erfahrungen. Über Amerikanerinnen sagt der Report, dass sie sexuell aktiver sind als angenommen und moralisch von Frauen in dieser Zeit erwünscht.

6) „Anders als die Andern“ hieß der erste Schwulenfilm der Geschichte. Er wurde 1919 unter Mitwirkung von Richard Osswald (Regie) und Magnus Hirschfeld (Drehbuch) in Deutschland produziert.

7) Es war tatsächlich in der Studentenstadt Münster, von 1972 erstmals Schwule auf die Straße gingen. Sie waren überzeugt, dass Homosexualität und Sexualtiät generell unterdrückt werden, um wirtschaftliche und politische Macht der Herrschenden zu sichern. Unter den Demonstranten war auch der bekannte Sexualwissenschaftler Martin Dannecker. Auf seinem Transparent stand geschrieben „Brüder und Schwestern, warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!“

8) „Ja, ich will“ heißt der gemeinsame Song von Rosenstolz mit Hella von Sinnen. Er entstand 1999, als in Deutschland intensiv über die gleichgeschlechtliche Ehe diskutiert wurde. Am Ende gestand die Politik Schwulen und Lesben nur das Recht auf die eingetragene Lebenspartnerschaft zu, die der konventionellen Ehe gegenüber deutlich benachteiligt war.

9) Der Paragraph wurde, vorher zwar schon entschärft, erst am 11. Juni 1994 gestrichen. Nach dieser Grundlage des § 175 und 175a wurde 1994 noch 44 Personen verurteilt. Insgesamt wurden von 1872 bis 1994 etwa 140.000 Männer nach den verschiedenen Fassungen des § 175 verurteilt.

10) Seit 1985 spielt Georg Uecker in der „Lindenstraße“ den schwulen Charakter Carsten. Sein erster schwuler Filmkuss 1987 sorgte für einen Skandal, bis hin zu Morddrohungen gegenüber dem Schauspieler.

11) Der CSD erinnert an den ersten bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit homosexuellem Zielpublikum. Es kam in der Folge zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei.

12) Insgesamt sehen noch sieben Länder die Todesstrafe für sexuelle Minderheiten vor. 72 weitere ahnden Homosexualität mit Geld- oder Gefängnisstrafen (die aktuelle Situation findet sich bei der entsprechenden Wikipediaseite und beim Gay Law Net)

13) In folgenden Ländern droht Homosexuellen die Todesstrafe: Mauretanien, Nigeria, Sudan, Iran, Jemen, Saudi-Arabien und – wenn auch sehr umstritten – in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

14) Im ICD-Katalog der WHO war Homosexualität bis 1992 als eigene Krankheit erfasst.

15) Als realistisch werden in den meisten Studien folgende Werte angenommen:
ca. 5-15% der deutschen Jungen/Männer sind schwul.
ca. 5-10% der deutschen Mädchen sind lesbisch.
ca. 50% der heterosexuellen Jugendlichen hatten schon einmal homosexuelle
Kontakte (Auslegeungs und Definitionssache).
ca. 83% der Eltern akzeptieren die Homosexualität ihres Kindes nach einiger Zeit.
Bei ca. 8-14 % einer monogamen südkalifornischen Seemöwenart bestehen die Paare aus zwei Weibchen (so viel zur „Widernatürlichkeit“ – kann Natur widernatürlich sein?)

16) Nach §175 und §175a RStGB wurden 50.000 Männer aufgrund (tatsächlicher oder vermeintlicher) homosexueller Handlungen vor NS-Gerichten verurteilt; die Gesetze wurden 1935 verschärft und in ihrer verschärften Fassung in der BRD bis 1968 beibehalten (DDR: Mit Modifikationen bis 1957). Auf den „Rosa Listen“ der Polizeibehörden, die bis ins 19. Jahrhundert zurück reichen, wurden über 100.000 Namen aufgeführt. Während Homosexualität unter Frauen kein eigener Straftatbestand war, wurden andere Rechtsvorschriften, z.B. über „asoziales Verhalten“, in Einzelfällen genutzt, um lesbische Liebe zu verfolgen.

17) a). Im Katechismus findet sich jedoch auch der letzte Satz der Antwort b) sowie das genaue Gegenteil zu Antwort d).

18) Seit dem 01.08.2001 gibt es die Möglichkeit, eine Partnerschaft entsprechend dem Lebenspartnerschaftsgesetz einzugehen. Die Rechtsfolgen dieses Rechtsinstituts der Lebenspartnerschaft sind den Rechtsfolgen der Ehe in bürgerlich-rechtlichen Angelegenheiten zum größten Teil nachgebildet.

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