Der Papst

Na, das kommt nun wirklich nicht allzu oft vor – der Papst tritt zurück. Haben wir dann bald zwei heilige Väter? Wird das die Kirchenposition im Bereich Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare verändern, zumindest für Männer?

Nun, Spaß beiseite – widmen wir uns dem Rückblick auf das Pontifikat Benedikt XVI. Wir haben eine kleine Zusammenstellung aus schwul-lesbischer Sicht für euch erstellt.

Die Arbeitsgruppe Homosexualität und Kirche (HuK) sowie das Netzwerk katholischer Lesben (NkaL) begrüßen den Rücktritt und hoffen, dass „eine neue Zeitrechnung in der römisch-katholischen Kirche beginnt“:

Manuela Sabozin vom Netzwerk katholischer Lesben kritisierte, der Vatikan habe Schlimmes angerichtet: „Lesben und Schwulen wurde erklärt, dass sie ihre Sexualität auf keinen Fall leben dürften. Die Kirche insgesamt wurde darauf hingewiesen, dass schon die homosexuelle Veranlagung ‚objektiv ungeordnet‘ sei und somit in der katholischen Kirche kein Platz für diese Menschen sei.“ Für Homosexuelle sei lediglich „ein Platz im Beichtstuhl“ geblieben sowie der Verweis auf ein keusches Leben. „Für die Vertreter dieser theologischen Richtung sind sie lediglich als Objekte der Seelsorge im Blick, an der kirchlichen Basis hingegen erfahren Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen schon heute viel Akzeptanz“, so Sabozin.

Schwule und Lesben sehnten sie sich nach einer Kirche, die menschlich und glaubwürdig ist, so Markus Gutfleisch von der Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche. „Der nächste Papst muss in der Lage sein, zu integrieren, die Kirche zu reformieren, aber auch die Macht des Papstes und des Vatikans zu reduzieren, damit die Glaubenserfahrungen der Menschen an der Basis gewürdigt werden.“ Er müsse die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche fördern und eine neue Sicht von Sexualität ermöglichen. „Denkverbote wie auch Kondomverbote gehören dann in die Schublade. Wir erwarten Wertschätzung für das Engagement von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans-Menschen in der Kirche“, so Gutfleisch. (Pressemitteilung via queer.de zitiert, da online im Original nicht verfügbar)

Härtere Worte für das ausklingende Pontifikat findet Queer.de:

Der Kampf gegen Homosexuelle schien ihm wichtiger als der Kampf gegen Missbrauch – zur benediktschen Scheinheiligkeit gehörte auch, das Offene abzulehnen, das Vertuschen vorzuziehen. Die homosexuelle Orientierung sei „eine objektive Unordnung“ und gebe „in moralischer Hinsicht Anlass zur Sorge“, schrieb die von Ratzinger geführte Kongregration für die Glaubenslehre bereits 1992. Und: „Grundsätzlich gilt, dass die meisten homosexuell orientierten Menschen, die danach streben, ein keusches Leben zu führen, ihre sexuelle Orientierung nicht publik machen. Daher tritt das Problem der Diskriminierung bei Arbeits- oder Wohnungssuche usw. für sie normalerweise nicht auf.“ Antidiskriminierungsgesetze wurden als „schädlich“ angesehen. Zwar hätten auch Homosexuelle „das Recht auf Arbeit, auf Wohnung“, doch könnten Rechte „aufgrund eines Verhaltens, das objektiv als ungeordnet zu bezeichnen ist, zu Recht eingeschränkt werden.“ Dies sei verpflichtend und werde bei Personen, „die ansteckende Krankheiten haben oder geistig krank sind“, ja teilweise auch so gehandhabt. Menschenrechte auch für Homosexuelle? Nicht mit Herrn Ratzinger.

Was erwartet die KjG eigentlich vom nächsten Papst? RTL hat die Basis in München erwischt (ab Minute 13.30, und ab 15.35 nochmal).

Anlässlich des ausklingenden Pontifikats wollen wir den Heiligen Vater selbst zu einigen Themen zu Wort kommen zu lassen. Themen, die uns wichtig sind und Themen, bei denen wir uns eine intensive Auseinandersetzung gewünscht hätten:

– Gender Mainstreaming

Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, dass er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber. (via vatican.va)

– Homoehe

Die Erziehung ist ein Schlüsselthema für alle Generationen, denn von ihr hängt sowohl die gesunde Entwicklung jeder Person ab als auch die Zukunft der ganzen Gesellschaft. Deshalb stellt sie in einer schwierigen und heiklen Zeit eine Aufgabe von höchster Wichtigkeit dar. Außer einem klaren Ziel wie dem, die Jugendlichen zu einer vollen Kenntnis der Realität und damit der Wahrheit zu führen, braucht die Erziehung auch Räume. Unter diesen steht die auf die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gegründete Familie an erster Stelle. Es handelt sich dabei nicht um eine bloße gesellschaftliche Konvention, sondern um die Grundzelle der ganzen Gesellschaft. Folglich bedroht eine Politik, welche die Familie gefährdet, die Würde des Menschen und die Zukunft der Menschheit selbst. (via vatican.va)

– Frauenordination

Vor kurzem hat eine Gruppe von Priestern in einem europäischen Land einen Aufruf zum Ungehorsam veröffentlicht und dabei gleichzeitig auch konkrete Beispiele angeführt, wie dieser Ungehorsam aussehen kann, der sich auch über endgültige Entscheidungen des kirchlichen Lehramtes hinwegsetzen soll wie zum Beispiel in der Frage der Frauenordination, zu der der selige Papst Johannes Paul II. in unwiderruflicher Weise erklärt hat, dass die Kirche dazu keine Vollmacht vom Herrn erhalten hat. (via vatican.va)

Nun, eines ist klar: Es wird nicht Benedikt XVI. sein, der sich in die Reihe der heiligen Priester als jener Papst einreihen wird, der die Kirche für die Vielfalt der Menschen jenseits heterosexueller Männer und Frauen geöffnet hat. Die Kluft zwischen gelebtem Glauben an der katholischen Basis (zumindest in Westeuropa und Nordamerika) und den römischen Lehren ist unter Benedikt XVI. eher größer geworden. Wir bewundern den Papst für seine Entscheidung, sein Amt in neue Hände zu legen und hoffen, dass auch sein Nachfolger den Mut hat, historische Entscheidungen zu treffen.

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